
Originaltext (english version): Ghislain Roy
Übersetzung ins Deutsche: Marius Murtz
“Das braucht mehr Jazz!”, “geht’s etwas web-artiger?”, “Es soll toll sein, so richtig toll.” oder “Die Grafiken sollen, naja, wenn man sie ansieht soll man denken: Man, das sind schöne Grafiken!” sind nur wenige von vielen Wegen, wie man einen Grafikdesigner so richtig schön verunsichern kann. Hierfür gibt es jetzt eine umfassende, übersichtliche Anleitung in 8 Schritten.
Besonders schön finde ich folgenden Ausschnitt:
“Bei der Entwicklung eines Produktes wird der Grafiker viel Wert auf einen ausgewogenen Weißraum setzen, ebenso auf Schriftgrößen, Zeilen- und Zeichenabstände im Schriftbild und ähnliches. Dies werden sie mit der besseren Lesbarkeit und dem sauberen, professionellen Look begründen. In Wahrheit wird hier aber nur versucht die Seitenanzahl zu strecken, damit das Produkt später teurer im Druck wird! Warum? Weil Grafikdesigner Euch hassen. Und weil sie Babys essen.”
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Wie jeder weiß, sind Grafikdesigner der Grund für all die Kriege in der Welt. Mit ihren unterbewussten Botschaften in der Werbung, zwingen sie uns Geld für den letzten Dreck auszugeben, treiben uns in tiefe Depressionen und bringen uns dazu, spontane Gewaltakte zu verüben. Außerdem sind die meisten von ihnen Kommunisten.
Um die Welt zu einem schöneren und sichereren Ort zu machen, gibt es nun diese taktische Auflistung – mit der man äußerst effizient jedem Grafiker zum Burn-Out leitet, auf das dieser die Werbebranche verlässt, für IMMER.
1. Microsoft Office
Wenn Sie einem Grafiker ein Dokument zusenden müssen, sollte dies unbedingt mit einem Programm aus der Microsoft-Office-Reihe entstanden sein, am besten die Windows-Variante.
Wenn Bilder übermittelt werden sollen, ist es ratsam, statt den bloßen JPGs die Bilder in ein Word- oder Powerpoint-Dokument einzubetten, am besten mit einer Auflösung von 72 dpi. So muss der Grafiker Sie erneut kontaktieren, um die Bilder in besserer Qualität anzufordern. Dieses schicken Sie am besten in einem kleineren Format, auf keinen Fall in der Originalgröße, und den E-Mailanhang kann man ab und zu ja mal vergessen.
2. Schriften
Wählt der Grafiker die Schrift Helvetica, fragen Sie nach einer Arial. Wählt er die Arial, fragen sie nach der Comic Sans. Nimmt er die Comic Sans, ist er bereits stark gereizt, das ist schon ein großer Schritt in die richtige Richtung.
3. Die Menge macht’s
Bei der Entwicklung eines Produktes wird der Grafiker viel Wert auf genug Weißraum setzen, ebenso auf Schriftgrößen, Zeilen- und Zeichenabstände im Schriftbild und ein generelles Gleichgewicht zwischen allen Objekten. Dies werden sie mit der besseren Lesbarkeit und dem sauberen, professionellen Look begründen. In Wahrheit wird hier aber nur versucht die Seitenanzahl zu strecken, damit das Produkt später teurer im Druck wird! Warum? Weil Grafikdesigner Euch hassen. Und weil sie Babys essen.
Also fragen Sie auf jeden fall nach niedrigeren Zeilenabständen und sehr, sehr kleinem Text. Ich schlage noch vor, viele verschiedene Schriften zu verwenden. Außerdem Word-Cliparts und viele, viele Bilder (Bilder versenden? Siehe #1). Egal wie der Grafiker argumentiert, am Ende behält der Kunde immer recht und er wird sich beugen müssen.
4. Logos
Wenn der Grafiker für ein bestimmtes Projekt Ihr Firmenlogo, oder das eines Partners/Sponsors benötigt, schicken sie dieses unbedingt als GIF in niedriger Auflösung, oder auch als JPG. Nicht vergessen: Die Bilder in eine Powerpoint einbinden!
Wer jetzt denkt, das wäre bereits genug, irrt. Wer wirklich erfolgreich die mentale Verfassung des Grafikers negativ beeinflussen möchte, sollte das Logo auf einem unruhigen Hintergrund plazieren. Weiße oder schwarze Hintergründe machen die Arbeit viel zu einfach. Sobald das Logo fertig bearbeitet ist, sagen Sie dem Grafiker, dass sie es größer brauchen.
Brauchen Sie einen Logo-Entwurf, zeichnen Sie Ihre Idee auf eine Serviette, oder lassen Sie Ihre Kinder malen. Mehr als fünf Minuten sollte dies jedoch nicht verschlingen. Je detaillierter die Idee skizziert wird, desto einfacher weiß der Grafiker was Sie wollen. Ein schlechtes Briefing lässt im Entwicklungsprozess viel mehr Änderungen zu. Niemals den ersten Entwurf akzeptieren! Auch nicht den neunten. Schlagen Sie Bilder im Logo vor, schräge Verläufe und Comic Sans als Schrift. Wenn irgendwann der 10te Entwurf kommt, sagen Sie ihm, das Ihnen die zweite Variante am besten gefallen hat, hier aber noch etwas an den Farben gedreht werden müsse. Damit wischen Sie diesen Zombies, die versuchen uns von innen heraus zu infiltrieren, gehörig eins aus.
5. Die richtige Wortwahl
Ein umfassendes Briefing ist für einen Designer von äußerster Wichtigkeit. Versuchen Sie daher stets, möglichst bedeutungslose Sätze zu verwenden: “Das muss jazziger”, oder “geht das etwas web-artiger?”. “Es soll schön sein”, oder “Die Grafiken sollen, naja, wenn man sie ansieht soll man denken: Wow, das sind schöne Grafiken.” sind weitere Alternativen. Fühlen Sie sich nicht schlecht dabei, Sie sind im absoluten Recht. Sogar in der Pflicht, sind Sie doch einer der wenigen Mitwisser was die Ausbreitung der Grafikerbrut in unserer Welt betrifft.
6. Farben
Die Farben wählen Sie am besten vor den Augen Ihres Grafikers, bei einem Termin in Ihrem Hause. Die beste Auswahlmethode ist die mit dem Hut (wahlweise auch ein Top o.ä.): Schreiben Sie verschiedenste Farben auf unterschiedliche Zettel, werfen diese in das Behältnis Ihrer Wahl, und ziehen Sie eine zufällige Anzahl an Farben heraus. Während dieses Verfahrens möglichst eine nervige Melodie summen. Das löst bei ihnen einen unterbewussten Prozess aus, der langsam die Areale im Gehirn für Ästhetik umpolt.
7. Deadlines
Bei der Freigabe eines Layouts kann man sich Zeit nehmen, nur keine Eile. Es geht hier ja um etwas Wichtiges. Zwei Wochen sind ein guter Richtwert. Sobald der Fertigstellungstermin naht, liefern Sie dem Grafiker Ihre Massen von angesammelten Korrekturen. Die sollten möglichst bis zum Folgetag umgesetzt werden, damit noch mal jemand Korrekturlesen kann. Sicher ist sicher, ist sicherer.
8. Das Sahnehäubchen
Nachdem Punkt 1 – 7 sauber abgearbeitet sind, ist es nur verständlich als Kunde etwas unsicher in Bezug auf das Projekt zu werden. Sobald der Grafiker merkt, das er Ihre Bedürfnisse einfach nicht zufriedenstellen kann, verliert dieser jegliche Hoffnung und wird tun was immer Sie wünschen. Das Logo in pink? Pink ist super. Sechs verschiedene Schriften? Sie kriegen sogar sieben. Er ist nahezu willenlos!
Das ist jedoch noch nicht das Ende – wir wollen ja schließlich, dass der Grafiker nicht nur den Beruf, sondern gleich die ganze Branche wechselt. Soll er schmoren, in der Burger-Bude. Nachdem die letzten Änderungen umgesetzt sind, teilen Sie dem Grafiker mit, dass Sie enttäuscht von seinem Mangel an Eigeninitiative sind. Schließlich ist er der Grafiker, der seine Erfahrung und sein Talent mit einbringen soll, nicht Sie. Sagen Sie ihm, Sie hätten von ihm viel mehr Ideen und Ratschläge zum Design erwartet. Verkünden Sie Ihre schlussendliche Entscheidung, dass Sie Ihre Layouts lieber selbst machen – mit Powerpoint und Word – bevor Sie Geld für eine so schlechte Dienstleistung bezahlen. Spätestens jetzt sitzt der Grafiker mit Zwangsjacke in der Gummizelle, und das ohne viel Aufwand!
copyright der fotos (von links nach rechts):
aboutpixel.de / Der nächste! © Jan Gropp
aboutpixel.de / Friss schnell oder stirb © Arnim Schindler
aboutpixel.de / Krankenbett! © Peter Ehmann
Schlagwörter: abgefahren, Farben, Grafikdesigner, Logo, Werbebranche
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